Mein erster Testeinsatz des LanguageMan® professional erfolgte im Krankenhaus. Meine Aufgabe war es, die Mutter eines 7 Wochen alten Säuglings bei mehreren medizinischen Untersuchungen zu begleiten. Es handelte sich um keinen typischen Dolmetschereinsatz, da alle Gespräche auf Englisch geführt wurden und ich je nach Bedarf bei einzelnen Fachbegriffen oder Redewendungen aushelfen sollte. Und tatsächlich bewies sich der LanguageMan® professional schon durch sein handliches Format als ideal für einen solchen Einsatz. Als die Krankenschwester z.B. fragte: „Does he have a binky?“ hatte ich keine Ahnung, wonach gefragt wurde. Ich muss etwas ratlos ausgesehen haben, denn sie lenkte gleich ein: „I mean, does he have a pacifier?“ Damit konnte ich eher etwas anfangen. Dem LanguageMan ging es genauso, denn „binky“ kannte er nicht. Spaßeshalber der Vergleich in der anderen Sprachrichtung: pacifier wird sowohl mit Schnuller m als auch fälschlicherweise mit Beißring m übersetzt. Letzterer wird jedoch „teething ring“ genannt. Das nächste gesuchte Wort war scrotum, was auch richtig mit Skrotum n, Hodensack m übersetzt wurde. Weniger überzeugend ist der Eintrag für tush, was ich trotz meines kinderlosen Daseins kannte. Meines Ermessens müsst hier „Po“ stehen, stattdessen lautet der Eintrag Hintern m (was auch in Ordnung ist) und Arsch m (was aufgrund der vulgären Konnotation dem englischen „ass“ vorbehalten bleiben sollte). Während der nächsten 4 Stunden suchte ich nach weiteren medizinischen Fachausdrücken (darunter dialysis, measels, spinal anesthesia, arrhythmia und stenosis) die alle korrekt übersetzt wurden.

Schon dieser erste praktische Einsatz zeigt, dass der LanguageMan eine erstaunlich große Anzahl an Vokabeln zuverlässig wiedergibt und dass dennoch bei der Abfrage die kritische Hinterfragung des Benutzers nicht ausbleiben darf. Vergleichbar mit Fachwörterbüchern in gedruckter Form liegen die Schwächen bei speziellem Fachvokabular und in den Bereichen Umgangsprache/Slang. Ein lobenswerter Pluspunkt ist die Tatsache, dass viele Einträge eine weitere Erläuterung enthalten. So erfährt man z.B. nicht nur, dass brownie u.a. für die Pfadfinderkategorie Wölfling steht, sondern auch, dass sich diese Altersgruppe in den USA (7-9 Jahre) von der in Großbritannien (8-11 Jahre) unterscheidet. In ähnlicher Weise enthält die Übersetzung für tambourine (Tamburin) auch die Beschreibung dieses Musikinstruments: Handtrommel mit Schellen.

Da die Anleitung keine berücksichtigten Schwerpunktgebiete aufführt, sollte davon ausgegangen werden, dass dieses Wörterbuch in der Qualität einem fundierten allgemeinen Wörterbuch entspricht. Allerdings konzentrierte ich mich bei meinen weiteren Stichproben auf die Gebiete, in denen professionelle Übersetzer und Dolmetscher den LanguageMan® professional am ehesten verwenden, nämlich Medizin, Recht, Technologie und Umgangssprache. Zu den fehlenden Einträgen gehören folgende: wound dressing, sodium pentothal, opiodic, asportation, fortfeasor, slit lamp, tension knob, air hose, olympic trials, bling. Diese stehen einer sehr großen Zahl vorhandener Einträge gegenüber. Falsche Einträge wurden keine weiteren gefunden. Erwähnenswert sind zudem die folgenden Einträge, die überraschenderweise enthalten sind: piebald, crofter, redhibition, gazump, monkey business.

Fazit: Der Langenscheidt LanguageMan® professional punktet vor allem durch sein handliches Format und seine Bedienungsfreundlichkeit. Er ist klein genug, um überallhin mitgenommen werden zu können, und verfügt andererseits über sehr viele Einträge und Zusatzfunktionen, um selbst dem professionellen Bedarf gerecht zu werden. Die gefundenen Falscheinträge sind zahlenmüßig vergleichbar mit denen, die in gedruckten Wörterbüchern enthalten sind, und können von einem professionellen Sprachmittler in der Regel als solche erkannt werden. Die Anzahl vergeblich gesuchter Begriffe hält sich in vertretbarem Umfang.

Rainer Klett wurde in Deutschland geboren und war unter anderem Reprograf und Zivildienstleistender bevor er ein Studium in Anglistik und Kunstgeschichte an der Universität Tübingen abschloss. Er lebt heute in Philadelphia und arbeitet als freiberuflicher Übersetzer und Synchronsprecher. Zu erreichen ist er unter .